Overthinking – warum Gedanken nicht zur Ruhe kommen | Psychotherapie Wien
Kreisen Ihre Gedanken ständig?
Erfahren Sie, warum Overthinking entsteht und was im Umgang mit Grübeln helfen kann. Ein Beitrag aus meiner psychotherapeutischen Praxis in Wien.
„Ich kann einfach nicht aufhören nachzudenken“, erzählen viele Klientinnen in den ersten Sitzungen.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl auch. Ein Gespräch, eine Entscheidung oder ein Problem beschäftigt Sie immer wieder. Sie analysieren Situationen im Kopf, überlegen, was Sie hätten anders sagen können, oder machen sich Sorgen über mögliche zukünftige Ereignisse.
Dieses Phänomen wird häufig als Overthinking oder Grübeln bezeichnet. Dabei geraten Gedanken in eine Art Endlosschleife. Anstatt zu einer Lösung zu führen, entsteht oft ein Gefühl von innerer Unruhe oder Erschöpfung.
In meiner Arbeit als Psychotherapeutin in Wien begegne ich diesem Thema sehr häufig – und viele Menschen kennen diese Erfahrung.
Was genau bedeutet Overthinking oder Grübeln?
In der psychologischen Forschung wird Grübeln als wiederholtes, schwer kontrollierbares Nachdenken über belastende Themen oder Probleme beschrieben.
Die Psychologin Susan Nolen-Hoeksema, die intensiv zu diesem Thema geforscht hat, beschreibt Grübeln als eine Denkweise, die sich stark auf Ursachen und Folgen von Problemen konzentriert, ohne tatsächlich zu Lösungen zu führen.
Typische Gedanken können zum Beispiel sein:
- „Warum habe ich das so gesagt?“
- „Was denken andere jetzt über mich?“
- „Was passiert, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?“
Viele Menschen berichten, dass sie das Gefühl haben, ihre Gedanken nicht einfach stoppen zu können.
Wenn Grübeln über längere Zeit anhält und Ihr Wohlbefinden beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, dies in einem geschützten Rahmen zu besprechen.
Mehr Informationen zur Psychotherapie in meiner Praxis in Wien finden Sie hier!
Warum unser Gehirn überhaupt zu Grübeln neigt
Unser Gehirn versucht ständig, Probleme zu lösen und uns vor möglichen Risiken zu schützen. In gewissem Maß ist Nachdenken also völlig sinnvoll.
Schwieriger wird es, wenn Gedanken beginnen, sich immer wieder im Kreis zu drehen.
In der psychologischen Forschung werden mehrere Faktoren beschrieben, die Grübeln begünstigen können.
Hohe Selbstansprüche
Viele Menschen, die stark grübeln, haben hohe Erwartungen an sich selbst. Sie möchten alles möglichst richtig machen und vermeiden, Fehler zu begehen.
Das kann dazu führen, dass Situationen immer wieder gedanklich überprüft werden.
Sorge vor negativen Konsequenzen
Manche Menschen versuchen durch intensives Nachdenken Sicherheit zu gewinnen. Sie spielen mögliche Szenarien im Kopf durch, um vorbereitet zu sein.
Paradoxerweise führt genau dieser Versuch der Kontrolle oft dazu, dass Gedanken immer weiter kreisen.
Stress oder belastende Lebensphasen
In schwierigen Lebenssituationen – etwa bei Konflikten, beruflichem Druck oder wichtigen Entscheidungen – arbeitet unser Gehirn besonders intensiv daran, Lösungen zu finden.
Dadurch kann es schwieriger werden, innerlich zur Ruhe zu kommen.
Welche Auswirkungen ständiges Grübeln haben kann
Viele Klientinnen beschreiben, dass Overthinking nicht nur mental anstrengend ist, sondern auch körperliche und emotionale Folgen haben kann.
Häufige Erfahrungen sind zum Beispiel:
- Schwierigkeiten beim Einschlafen
- innere Anspannung
- Konzentrationsprobleme
- Erschöpfung
Grübeln steht oft auch mit Selbstzweifeln oder belastenden Beziehungserfahrungen in Verbindung. Mehr Informationen dazu finden Sie auch in meinem Blogartikel „Ihr Selbstwertgefühl stärken“
Die Forschung zeigt außerdem, dass starkes Grübeln mit einem erhöhten Risiko für depressive Verstimmungen oder Angst verbunden sein kann (Nolen-Hoeksema, 2000).
Das bedeutet jedoch nicht, dass Grübeln automatisch zu einer psychischen Erkrankung führt. Es zeigt jedoch, wie belastend dieser Denkstil langfristig sein kann.
Was vielen Menschen im Umgang mit Overthinking hilft
In der Therapie geht es meist nicht darum, Gedanken vollständig zu kontrollieren. Unser Denken lässt sich nicht einfach „abschalten“.
Stattdessen arbeiten wir daran, den Umgang mit Gedanken zu verändern.
Einige hilfreiche Schritte können sein:
Gedanken bemerken
Viele Menschen stellen fest, dass Grübeln besonders häufig in bestimmten Situationen auftritt – etwa abends oder nach belastenden Gesprächen.
Das Bewusstwerden dieser Momente ist oft ein erster wichtiger Schritt.
Abstand zu Gedanken entwickeln
Gedanken sind nicht immer Fakten. In der Therapie lernen viele Menschen, Gedanken eher als mentale Ereignisse zu betrachten, die kommen und wieder gehen dürfen.
Aufmerksamkeit bewusst lenken
Aktivitäten wie Bewegung, Gespräche, kreative Tätigkeiten oder Achtsamkeitsübungen können helfen, die Aufmerksamkeit wieder stärker auf den gegenwärtigen Moment zu richten.
Kann man Grübeln stoppen?
Viele Menschen stellen sich die Frage: „Wie kann ich Grübeln stoppen?“ oder „Wie kann ich meine Gedanken beruhigen?“
Ganz stoppen lassen sich Gedanken meist nicht. Unser Gehirn produziert ständig neue Gedanken – das gehört zu seinem natürlichen Funktionieren. Der Versuch, Gedanken mit aller Kraft zu unterdrücken, führt häufig sogar dazu, dass sie noch stärker werden.
Hilfreicher kann es sein, einen anderen Umgang mit Grübeln zu entwickeln.
In der Psychotherapie lernen viele Menschen zum Beispiel:
- Grübelgedanken früher zu erkennen
- Abstand zu belastenden Gedanken zu gewinnen
- die Aufmerksamkeit wieder stärker auf den gegenwärtigen Moment zu richten
Mit der Zeit kann dadurch das Gefühl entstehen, Gedanken weniger ausgeliefert zu sein.
Wie Psychotherapie beim Umgang mit Grübeln unterstützen kann
Wenn Gedanken über längere Zeit stark kreisen und den Alltag belasten, kann Psychotherapie eine hilfreiche Unterstützung sein.
In meiner Arbeit als Psychotherapeutin schauen wir gemeinsam:
- welche Situationen Grübeln auslösen
- welche Gedankenmuster dahinterstehen
- welche Strategien helfen können, Gedankenspiralen zu unterbrechen
Viele Klientinnen erleben es bereits als entlastend, ihre Gedanken in einem geschützten Rahmen aussprechen zu können.
Psychotherapie in meiner Praxis in Wien
Ich biete Psychotherapie, Paartherapie und Coaching in 1010 Wien an und arbeite mit einem individualpsychologischen sowie psychoanalytisch-psychodynamischen Ansatz.
Wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken häufig kreisen oder Grübeln Ihren Alltag belastet, kann es hilfreich sein, darüber zu sprechen.
Gerne können Sie Kontakt zu mir aufnehmen, um ein erstes Gespräch zu vereinbaren.
Dr. Irina Heumayer
Psychotherapeutin (Individualpsychologie)
Praxis für Psychotherapie, Paartherapie und Coaching
1010 Wien
www.psychotherapie-heumayer.at